Aus dem Tagebuch eines Serienjunkies Teil III.

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Es ist mal wieder an der Zeit, den aktuellen Fortschritt diverser Serien zu beurteilen (Teil I und Teil II können hier nachgelesen werden). So wie’s aussieht wird dies mein letzter Blogeintrag zu diesem Thema in der Seriensaison 2008/09 sein. Ein Teil IV ist eher unwahrscheinlich.

Battlestar Galactica.Oh mein Gott ist Battlestar Galactica im Moment langweilig, gähnend langweilig. Bereits die dritte Staffel der Serie konnte bei Weitem nicht an das Niveau der ersten beiden Staffeln anknüpfen. Mit dem ersten Teil der vierten Staffel ging’s noch weiter bergab und die jetzt laufenden letzten Folgen der Serie markieren auch deren Tiefpunkt. Es passiert wirklich nichts, absolut nichts. Und wenn sich doch mal was tut, dann ist es so sinnlos wie ein Kropf oder vorhersehbar wie der Aufgang der Sonne am nächsten Morgen. Mag ja sein, dass die Serie versucht, eine depressive Grundstimmung aufzubauen, aber dies schadet der Geschichte rund um die letzten Überlebenden der Menschheit massiv. Darüber hinaus haben sämtliche Charaktere der Serie ihren Charme, ihren Charakter, ihre Besonderheiten, ihre Coolness oder was sie auch sonst immer hatten, verloren. Ob Laura Roslin, Saul Tigh oder Gaius Baltar: Diese Liste ließe sich noch ewig weiterführen. Alle Personen, die mich mal besonders interessierten, tun dies mittlerweile nicht mehr. So ist es wohl das Beste, dass die Serie in wenigen Wochen ihr Ende findet. Vielleicht kann sie mich ja nochmal ein bisschen überraschen. So richtig kann ich daran jedoch nicht glauben.

Nip/Tuck.Auch die aufgrund des letztjährigen Drehbuchautorenstreiks in zwei Teile zerfallene (übrigens genau so wie bei Battlestar Galactica) fünfte Staffel meiner ehemaligen Lieblingsserie Nip/Tuck bestätigte den Abwärtstrend von Staffel drei und vier. Da wird immer mehr auch noch so Abstruses in eine Folge gepackt, sodass die krassen Einzelschicksale und Geschichten nur noch unglaubwürdig, ja sogar schon lächerlich wirken. Absolut repräsentatives Beispiel dieser traurigen Feststellung war die dritt- oder viertletze Folge der gerade ausgelaufenen Staffel, als in einer Folge Christian erfährt, dass er nur noch wenige Monate zu leben hat und daraufhin um Liz’s Hand anhält, während Sean sich gleich zwei mal von der Femme fatale Teddy trennt, nur um kurz drauf wieder mit ihr zusammen zu kommen. Zwischendrin gibt’s natürlich noch einen Patienten, der aber aufgrund der ganzen anderen Ereignisse eine komplett untergeordnete Rolle spielt. Nip/Tuck hat halt einfach vollkommen an Glaubwürdigkeit (soweit man bei der Serie von „Glaubwürdigkeit“ reden kann) verloren. Der einzige Lichtblick des zweiten Teils der fünften Staffel, die neu eingeführte Person Raj wurde praktisch beiläufig ins Drehbuchnirvana verfrachtet. Bleibt wieder mal zu sagen: Die ersten beiden Staffeln von Nip/Tuck waren und sind überragend und ein hell leuchtender Stern am Serienhimmel. Alles was bei der Serie danach kam, kann man getrost links liegen lassen.

Heroes.Auch die Entwicklung der aktuellen Staffel von Heroes veranlasst mich, die Serie schlecht zu reden, wo’s nur geht. Während in meinem letzten Blogeintrag, in der ich die Serie erwähnte, noch ein schmaler Silberstreifen am Horizont zu erkennen war, stellte sich nun heraus, dass es sich um den Unter- und nicht um dem Aufgang der (vom Mond verdeckten) Sonne handelte. Der „große Sylar“ mutiert zum Emo, das bereits erwähnte ständige Seitenwechseln der (mittlerweile doch stark überschaubaren) Protagonisten geht fleißig weiter und wirklich packende Überraschungen sind absolute Mangelware (genau so wie bei Battlestar Galactica und Nip/Tuck). Konnte die erste Staffel noch davon zehren, ein bereits bekanntes Szenario (das der Menschen mit besonderen Fähigkeiten) mit viel Geld spektakulär in Szene zu setzen, leidet die Serie seit der zweiten Staffel ganz eindeutig an einem mangelhaften Drehbuch, das sich nur auf Stereotype verlässt (die trotzdem ständig die Seiten wechseln, man kann’s gar nicht oft genug erwähnen) und kaum mehr zu unterhalten weiß. So wirkt Heroes nur noch wie ein billiger Abklatsch von 4400, bei der sich das Szenario ständig änderte und man von Staffel zu Staffel einen Fortschritt erkennen konnte, der einen einfach unterhalten hat. Fazit: Heroes ist einfach nur noch fad.

Lost.Aus den ganzen Serienenttäuschen sticht die aktuell fünfte Staffel von Lost wie ein Leuchtfeuer im Sturm heraus. Nun zahlt es sich endlich aus, vier Staffeln lang zahlreiche Handlungsstränge aufgebaut zu haben, mit einem festen Ziel vor Augen. Dass so ein Konzept dauerhaft fesselt, fasziniert und unterhält hat bereits Babylon 5 gezeigt. Die Serie von Schöpfer J. J. Abrams macht richtig Druck. Viel zu schnell vergehen die gut 40 Minuten, die jede Woche an Material nachgereicht werden. Ich kann gut verstehen, dass es zahlreiche Zuschauer gibt, denen das jetzt nicht mehr wirklich realistische Szenario mit Zeitreisen nicht mehr gefällt. Auf mich trifft das jedoch nicht zu. Stattdessen freue ich mich über die Enthüllung zahlreicher in den letzten Jahren aufgebauten Geheimnisse, die schlüssig aufgeklärt werden, ohne dass man befürchten muss, dass für die restlichen 1½ Staffeln nicht mehr genügend Material übrig ist. Bleibt nur zu sagen: Ganz eindeutig Daumen nach oben. Momentan das Beste, was die Glotze zu bieten hat.

The IT Crowd.Ein wenig außer Konkurrenz lief Ende letzten Jahres die dritte Staffel von The IT Crowd. Dass die Serie äußerst sehenswert ist, habe mittlerweile nicht nur ich gemerkt. Und auch die dritte Staffel der britischen Komödie war gespickt mit Gags, Gags und noch mehr Gags. Die werden getragen von den drei wirklich hervorragend gespielten Protagonisten Roy, Moss und Jen. Allein die Rolle von Richmond fehlt in der letzten Staffel ein wenig, was aber keineswegs dazu geführt hat, dass ich pro Folge nicht wieder mehrmals richtig laut lachen musste. Wieder eine klare Empfehlung an all diejenigen, die die dritte Staffel noch nicht gesehen haben oder die Serie vielleicht noch gar nicht kennen. Da ist’s natürlich sehr schade, dass The IT Crowd der Inbegriff von kurz ist: Jede Staffel hat nur sechs Folgen, von denen jede leider nur 23 Minuten dauert. Abschließend bleibt nur noch das Zitat schlechthin dieser Staffel zu erwähnen: „Ich bin ein verdammter Nerd!“.

Das war’s dann wohl in diesem Jahr mit Serienkritiken. Demnächst werde ich wahrscheinlich noch eine nachreichen, die sich jedoch um eine Serie dreht, die bereits abgeschlossen ist, von der also keine neuen Folgen mehr erscheinen.

Ansonsten hoffe ich, dass Battlestar Galactica vielleicht doch noch ein gutes Serienende bekommt. Ebenso hoffe ich, dass Heroes vielleicht endlich mehr aus seinem massig vorhandenen Potential macht als das ständige sich im Kreis drehen. Naja, und falls aus Beidem nix wird, dann muss Lost mich eben entschädigen. Und das tut’s im Moment mehr als reichlich.

Status gelb/rot.

Kommentare

2 Kommentare zu „Aus dem Tagebuch eines Serienjunkies Teil III.“

  1. Avatar von emmy

    Ich finde ja auch, dass Lost nichts an seiner Faszination verloren hat und sich Theorie über Theorie in meinem Kopf aufbaut. Und sicher tut das festgesetzte Ende dem Ganzen gut. Aber im Gegensatz zu Dir hab ich das Gefühl, dass da noch gar nix aufgelöst ist und die sich jetzt langsam ganz schön beeilen dürfen…

  2. Avatar von Christoph

    Ich finde schon, dass mittlerweile recht viel aufgelöst wurde: Warum die Insel von Außen so schwer erreichbar ist (reist durch die Zeit bzw. ist nicht synchron mit der Zeit). Was es mit dem Statuenfuß auf sich hat. Einiges über die Vergangenheit von Benjamin Linus, Charles Widmore und Richard Alpert und noch so einiges mehr.

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