Killerspiele.

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Nachdem ein 18-jähriger Exschüler einer Realschule in Emsdetten Amok, während dem er mehere Personen teilweise mit einer Schusswaffe schwer verletzte und letztendlich Suizid beging, lief, diskutiert Politik und Gesellschaft (wiedermal) über ein Verbot von sogenannten „Killerspielen“, wie auch immer man diese definieren mag.
Ich persönlich halte ein solches Verbot für keine gute Idee, da ich der Meinung bin, dass ein solches Verbot mehr Probleme schaffen als lösen würde.

In Zeiten von Internet und „Schulhofdealerei“ dürfte es ein Verbot von Killerspielen den Jugendlichen wohl kaum erschweren, an solche Computerspiele heranzukommen. Peer-to-Peer-Tauschbörsen kennen keine Landesgrenzen und Gesetze (was auch schon die Musikindustrie leidvoll erfahren musste) und ebenso, wie sich Gewalt- und Sexvideos über die Handies von Jugendlichen austauschen lassen, lassen sich Medien mit dem einschlägigem Material handeln. Natürlich illegal, schwarzkopiert und weit entfernt von jedlicher erwachsener Kontrolle.

Meiner Meinung nach führt ein solches Verbot dazu, dass gewaltlastige Spiele noch begehrenswerter werden. Vor allem bei Jugendlichen kennt man ja den Effekt, dass besonders die verbotenen Sachen gerade diejenigen sind, die am meisten begehrenswert sind.

Medienwissenschaftler bezweifeln ohnehin, dass die virtuellen Welten, die solche Spiele erzeugen, so gewaltfördernd in der Realität sind, wie es von vielerlei Seite dargestellt wird. Zwar werden auch Computerspiele einen gewissen Teil zu einer Eskalation beitragen, aber die Hauptgründe liegen doch wohl eher in der Frustration der Täter über das Schulsystem und deren „Allein gelassen sein“-Gefühl von Schule, Eltern und Gesellschaft. Mir persönlich kommt es vor, dass Erwachsene viel lieber den schwarzen Peter auf ein Medium schieben, dass sie oft nicht ansatzweise kennen und so gerne über Fehler hinwegsehen, die sie eigentlich selbst zu verantworten haben.

Eine bessere Lösung als ein Verbot ist in meinen Augen ein verpflichtendes Schulfach „Medienpädagogik“ in der Schule. Dass viele Jugendliche ohne soziale Unterstützung mit dem weiten Feld der Medien überfordert sind, leuchtet mir ein. Darüber hinaus hätte das weitere positive Nebeneffekte: Ein bewussterer Umgang mit Medien, vor allem dem Internet, würde dazu führen, dass sich Menschen wesentlich besser mit Gefahren wie Viren, Phishing, Dialern und Würmern auskennen würden und solche Bedrohungen wesentlich ineffektiver wären.

Schade ist, dass eigentlich haargenau die selbe Diskussion auch nach dem Amoklauf in Erfurt bereits geführt wurde, mit genau den selben Argumenten und höchstwahrscheinlich genau dem selben Ergebnis, wie dieses mal. Man kann den Eindruck gewinnen, dass unsere Gesellschaft aber vor allem unsere Politik nicht dazu lernt sondern viel lieber von den eigentlichen Problemen ablenkt.

Schade ist es auch, dass ein paar wenige Leute eine komplette Industrie (die der Computerspiele) in den Dreck ziehen. In Deutschland wird mehr Freizeit mit Computerspielen als mit Fernsehen und Bücher lesen zusammen verbracht. Nur ein Bruchteil der Spiele fällt unter die Kathegorie „Killerspiele“. Spiele wie „Die Sims“ oder „World of Warcraft“ kommen komplett ohne unnötige und explizite Gewalt aus, unterhalten aber wesentlich mehr Menschen, als die Killerspiele. Das haben sogar schon die Medien bemerkt.
Vielleicht können wir ein wenig von Ländern wie Südkorea lernen, wo es sicher auch Probleme mit Computerspielen gibt, diese dort aber als eine moderne Form des Sports, dem sogenannten „eSport“ angesehen werden, bei dem zwar kein Schweiß fließt, aber sich im Team mit taktischem Denkvermögen gemessen wird.

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