Schlagwort: Killerspiele

  • Politischer Aschermittwoch.

    Heute Vormittag war’s also soweit: Zusammen mit da Steffi und’m Tom (und ca. 6.000 anderen) hab ich die letzte Chance ergriffen und bin zum Politischen Aschermittwoch in die Dreiländerhalle gegangen, um mir den scheidenden bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber mal live anzusehen.

    Und man muss wirklich zugeben, dass es sich bei unserem Ministerpräsidenten wirklich um einen meisterlichen Redner handelt. Das war wirklich ein Event, das man mal erlebt haben muss, auch wenn man nicht alles gut an den Einstellungen Stoibers findet. Das ist wirklich Entertainment XXL. Das sind Argument, das ist Emotion, das ist Populismus, das ist politisches Auftreten beim Wählervolk.

    Seit wenigen Jahren findet der Politische Aschermittwoch (der CSU) ja in der neuen Dreiländerhalle statt und die bietet wirklich eine gute Kulisse für eine solche Veranstaltung, wie man an den unten stehenden Fotos sehen kann. Nur die Snacks und vor allem das Bier ließen zu wünschen übrig, aber das hat ja reichlich wenig mit dem Redner zu tun.

    Bis auf ein paar Kleinigkeiten, lag der (politisch) auf meiner Wellenlänge:

    • Ein generelles Verbot von Killerspielen, halte ich nicht für die richtige Lösung des Problems, wie ich ja hier an dieser Stelle schon mal geschrieben habe.
    • Die Meinung, dass in unseren Klassenzimmern und Gerichtssaälen Kruzifixe zu hängen haben, halte ich nicht für richtig.
    • Zu guter letzt hat Stoiber meiner Meinung nach zu oft auf Franz Josef Strauß, den bayerischen Übervater verwiesen. Irgendwie hatte man da den Eindruck, Stoiber könne nicht aus dessen Schatten hervortreten.

    Dafür gab’s sehr viele Themen, bei denen ich mit dem Hauptredner Stoiber teilweise komplett einer Meinung bin:

    • Dass man bei der aktuellen Diskussion um die Begnadigung von RAF-Terroristen die Opfer nicht vergessen sollte, halte auch ich für wichtig. Auch die Tatsache, dass die zu mehrfach lebenslanger Haft verurteilten Verbrecher keine Reue zeigen, sollte man bei ihren Gnadengesuchen nicht außer Acht lassen, genauso wenig wie die Tatsache, dass sie bis heute wichtige Informationen nicht Preis geben wollen.
    • Ebenso halte ich den Ausstieg aus der Atomenergie für einen Fehler, gerade bei der im Moment geführten Diskussion um CO2-Reduktion. Zwar ist auch die Kernenergie nicht frei von negativen Aspekten, jedoch ist es wohl besser, Strom auf diese Weise selbst zu produzieren, als ihn von Frankreich oder Tschechien zu kaufen.
    • Auch meine Meinung zum Beitritt der Türkei zur EU habe ich mit Stoiber gemein.
    • Darüber hinaus hatte Stoiber einiges Sinnvolles zum Thema Mütter/Väter und Beruf zu sagen. Endlich brachte es mal jemand auf den Punkt, dass es sowohl möglich sein muss für die Eltern, obwohl sie ein Kleinkind haben, aktiv erwerbstätig zu sein, genau so wie es möglich sein muss, sich als Elternteil eine Auszeit zu nehmen und sich um die Erziehung des Kindes zu kümmern (was meiner Meinung nach viele soziale und gesellschaftliche Probleme lösen würde) um anschließend wieder in den Beruf zurück zu kehren. Endlich mal nicht schwarz oder weiß.
    • Zu guter letzt hat Stoiber nochmal begründet, warum er demnächst seine Ämter niederlegen wird, obwohl er noch gerne weitergemacht hätte: Schließlich will er, dass sich (seine/) die CSU als Einheit präsentiert, die nach außen geschlossen auftritt und nicht von innerparteilichen Querelen zerfressen wird. Obwohl bei der ganzen Geschichte doch noch einiges an Königsmord dabei sein dürfte, was Stoiber natürlich nicht erwähnte.

    Alles in Allem war das heute Vormittag ein richtiges Event und ich hab’s wirklich nicht bereut, hin zu gehen, obwohl’s mir mehr um den bayerischen Kitsch als um Politik ging.

    Noch ein paar Fotos, die vielleicht ein paar der Emotionen portieren. Bilder sagen eben mehr als tausend Worte.


    Zu dritt waren wir (v.l.): Ich, da Tom und d’Steffi.


    Offiziell waren 6.000 Leute in der Passauer Dreiländerhalle.


    Tosender Applaus beim Einzug von Edmund Stoiber.


    Sein letzter Auftritt beim Politischen Aschermittwoch glich einem Marathon.


    Wie jedes Jahr Stadionstimmung zum Abschluss.

  • Killerspiele.

    Nachdem ein 18-jähriger Exschüler einer Realschule in Emsdetten Amok, während dem er mehere Personen teilweise mit einer Schusswaffe schwer verletzte und letztendlich Suizid beging, lief, diskutiert Politik und Gesellschaft (wiedermal) über ein Verbot von sogenannten „Killerspielen“, wie auch immer man diese definieren mag.
    Ich persönlich halte ein solches Verbot für keine gute Idee, da ich der Meinung bin, dass ein solches Verbot mehr Probleme schaffen als lösen würde.

    In Zeiten von Internet und „Schulhofdealerei“ dürfte es ein Verbot von Killerspielen den Jugendlichen wohl kaum erschweren, an solche Computerspiele heranzukommen. Peer-to-Peer-Tauschbörsen kennen keine Landesgrenzen und Gesetze (was auch schon die Musikindustrie leidvoll erfahren musste) und ebenso, wie sich Gewalt- und Sexvideos über die Handies von Jugendlichen austauschen lassen, lassen sich Medien mit dem einschlägigem Material handeln. Natürlich illegal, schwarzkopiert und weit entfernt von jedlicher erwachsener Kontrolle.

    Meiner Meinung nach führt ein solches Verbot dazu, dass gewaltlastige Spiele noch begehrenswerter werden. Vor allem bei Jugendlichen kennt man ja den Effekt, dass besonders die verbotenen Sachen gerade diejenigen sind, die am meisten begehrenswert sind.

    Medienwissenschaftler bezweifeln ohnehin, dass die virtuellen Welten, die solche Spiele erzeugen, so gewaltfördernd in der Realität sind, wie es von vielerlei Seite dargestellt wird. Zwar werden auch Computerspiele einen gewissen Teil zu einer Eskalation beitragen, aber die Hauptgründe liegen doch wohl eher in der Frustration der Täter über das Schulsystem und deren „Allein gelassen sein“-Gefühl von Schule, Eltern und Gesellschaft. Mir persönlich kommt es vor, dass Erwachsene viel lieber den schwarzen Peter auf ein Medium schieben, dass sie oft nicht ansatzweise kennen und so gerne über Fehler hinwegsehen, die sie eigentlich selbst zu verantworten haben.

    Eine bessere Lösung als ein Verbot ist in meinen Augen ein verpflichtendes Schulfach „Medienpädagogik“ in der Schule. Dass viele Jugendliche ohne soziale Unterstützung mit dem weiten Feld der Medien überfordert sind, leuchtet mir ein. Darüber hinaus hätte das weitere positive Nebeneffekte: Ein bewussterer Umgang mit Medien, vor allem dem Internet, würde dazu führen, dass sich Menschen wesentlich besser mit Gefahren wie Viren, Phishing, Dialern und Würmern auskennen würden und solche Bedrohungen wesentlich ineffektiver wären.

    Schade ist, dass eigentlich haargenau die selbe Diskussion auch nach dem Amoklauf in Erfurt bereits geführt wurde, mit genau den selben Argumenten und höchstwahrscheinlich genau dem selben Ergebnis, wie dieses mal. Man kann den Eindruck gewinnen, dass unsere Gesellschaft aber vor allem unsere Politik nicht dazu lernt sondern viel lieber von den eigentlichen Problemen ablenkt.

    Schade ist es auch, dass ein paar wenige Leute eine komplette Industrie (die der Computerspiele) in den Dreck ziehen. In Deutschland wird mehr Freizeit mit Computerspielen als mit Fernsehen und Bücher lesen zusammen verbracht. Nur ein Bruchteil der Spiele fällt unter die Kathegorie „Killerspiele“. Spiele wie „Die Sims“ oder „World of Warcraft“ kommen komplett ohne unnötige und explizite Gewalt aus, unterhalten aber wesentlich mehr Menschen, als die Killerspiele. Das haben sogar schon die Medien bemerkt.
    Vielleicht können wir ein wenig von Ländern wie Südkorea lernen, wo es sicher auch Probleme mit Computerspielen gibt, diese dort aber als eine moderne Form des Sports, dem sogenannten „eSport“ angesehen werden, bei dem zwar kein Schweiß fließt, aber sich im Team mit taktischem Denkvermögen gemessen wird.