Wie man das am ersten November jeden Jahres so macht, war auch ich heute Nachmittag auf’m Friedhof. Für alle, die ’n bisschen auf der Leitung stehen: An Allerheiligen macht man das so.
Früher als kleiner Christoph fand ich das immer voll ätzend: Saisonbedingt war das Wetter immer nichtmehr das optimalste, der Unterhaltungswert (ja, ich weiß, Gottensdienste dienen nicht der allgemeinen Unterhaltung. Aber mal ehrlich: Es heißt ja immer, ein Gottesdienst ist ein Fest mit Gott, da werd ich mich doch wohlfühlen dürfen.) solcher Veranstaltungen konvergierte immer recht schnell gegen Null und die ganze Zeit rumstehen ist für so’n Kind jetzt auch ned das, was es sich zu Weihnachten oder zum Geburtstag wünscht.
Ein bisschen hat sich das geändert, als meine eigene Oma starb: Voher besuchten wir an Allerheiligen immer nur Leute, die bereits das Zeitliche gesegnet hatten, bevor ich die Welt bereicherte. Dient jetzt natürlich auch nicht der Motivation. Wie gesagt änderte sich das mit dem Tod meiner Oma. Darüber hinaus war ich dann da schon etwas älter, hatte ein etwas reiferes Verhältnis zu Gott und Kirche und konnte solche Sachen einfach schon besser beurteilen. Seitdem find ich Allerheiligen garnichtmehr so schlimm: Immerhin sieht man die Verwandtschaft mal wieder und ich bin mir sicher, meine Oma würd sich richtig freuen, wenn sie weiß, das ich ab und zu mal bei ihr am Grab vorbeischau.
Heute jedoch war ein ganz spezielles Allerheiligen: Man ist’s zwar gewohnt, dass man Anfang November keine tropischen Verhältnisse mehr hat, vor ein paar Jahren hatten wir um diese Zeit schon den ersten Schnee, aber die Herbststürme heute waren schon was besonderes. Ich fand das alles irgendwie sehr spannend und abenteuerlich und war wohl der Einzige auf’m Friedhof, der nicht sofort dem Sauwetter entfliehen wollte. Irgendwie hatte das Ganze schon etwas Episches, denn so starker Wind wie heute ist doch eher selten (zumindest im Bayerwald) und die Wolken, die vorbeizogen, waren schon äußerst bizarr. Zartbesaiteteren Gemütern mag wohl ein Gedanke des Weltuntergangs dort den Kopf geschossen sein und im Ernst: Irgendwie haben nurnoch die Reiter der Apokalypse gefehlt.
Aber siehe da: Kaum ist die Zeremonie mit Gräbergang und Dergleichen vorbei, lugt die Sonne aus der mittlerweile einzigen Lücke in der Wolkendecke. Hatte schon irgendwie was Hoffnungsvolles und vermittelete irgendwie eine Art Aufbruchsstimmung. Naja, irgendwie kann sich da jetzt jeder seinen Teil zu denken.
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