Im Zuge meiner Diplomarbeit, an der ich gerade arbeite, muss ich in C++ programmieren. Das ist für mich nicht neu, da ich bereits zahlreiche Projekte mit dieser Programmiersprache abgewickelt habe. Neu ist jedoch diesmal, dass ich als Entwicklungsumgebung nicht wie bisher Eclipse mit dem CDT-PlugIn und als Compiler GCC verwende sondern das Visual Studio von Microsoft. Bis jetzt musste ich nämlich immer auf Bibliotheken zurück greifen, die mir nur vorcompiliert und nicht im Quelltext zur Verfügung standen. Somit war ich an Linux als Entwicklungsbetriebssystem gebunden. Dieses mal jedoch habe ich völlige Freiheit bei der Wahl des Betriebssystems und der Entwicklungsumgebung. Da ich unter Windows nun mal lieber arbeite als unter Linux (reine Gewohnheit) und es bestimmt nützlich ist, sich auch mal mit dem Visual Studio vertraut zu machen (schließlich findet es in der Industrie sehr oft Anwendung), fiel wie bereits erwähnt meine Wahl für meine aktuelle Aufgabe auf den kombinierten Editor, Compiler und Debugger von Microsoft.
Als Student der Informatik an der Universität Passau genieße ich das Privileg am Microsoft-MSDNAA-Programm teilzunehmen. Dieses ermöglicht es mir, zahlreiche Produkte von Microsoft wie deren gängige Betriebssysteme oder den SQL-Server kostenlos und vor allem legal zu nutzen. Ebenfalls im Programm enthalten ist die Professional Edition des aktuellen Visual Studio 2008, welche normalerweise mindestens um die 650€ kostet. Optimal für mich natürlich, wenn ich es kostenlos nutzen kann. Also schnell das ISO runtergeladen, gemountet und installiert.
Die Installation selbst bietet einem praktisch keine Möglichkeit, die Konfiguration was den nun alles auf seinem System landen soll, zu ändern. Lediglich Installationspfad und unterstützte Programmiersprachen (C/C++, C#, ASP.NET etc.) lassen sich ändern bzw. zu- oder abwählen. Selbiges gilt für eine Express Edition des Microsoft SQL-Servers. Dementsprechend groß war die Überraschung, als ich einen Blick in die auf meinem System eingerichteten Programme warf, als die Installation abgeschlossen war. Denn neben dem eigentlichen Visual Studio wurden noch mindestens weitere 15 Anwendungen installiert. Dazu gehören sinnvolle und explizit notwendige Komponenten wie das .NET-Framework, jedoch auch eher exotische Anwendungen wie ein SDK für Windows CE oder Crystal Reports, um nur wenige Beispiele zu nennen. Diese sind für einen grundsätzlichen Betrieb des Visual Studio nicht von Nöten, werden jedoch trotzdem installiert, ohne dass man dies während der Installation verhindern könnte.
Nun gebe ich zu, dass es sich bei der Professional Edition um eine wirklich umfangreiche Suite handelt und auch handeln muss. Denn schließlich gibt es zahlreiche Plattformen, für die Programme entwickelt werden müssen und je nach Szenario benötigt man auch Spezialtools, die wesentlich mehr Funktionalität bieten als die des gewöhnlichen Debuggers. Aber müssen all diese Programme, PlugIns und Erweiterungen installiert werden ohne zuvor beim Setup abzufragen, ob ich diese überhaupt benötige? Wäre es nicht sinnvoller eine ähnliche Funktion zu verwenden wie beim Office vom selben Softwareentwickler? Dort kann man nämlich durchaus detailliert angeben, welche Komponenten auf der eigenen Festplatte landen sollen und welche nicht.
Interessant ist es in diesem Zusammenhang zu erwähnen, dass Microsoft auch eine kostenlose Express Edition seines Visual Studio anbietet. Diese bietet auf der einen Seite alles was man braucht, unter anderem den vollen Umfang des Compilers und Debuggers, auf der anderen Seite fehlt jeglicher Schnickschnack (aus meiner Sicht). Trotzdem lässt sie sich mit den SDKs Dritter erweitern, wie beispielsweise CUDA oder DirectX und mit ihr dürfen auch kommerzielle proprietäre Projekte verwirklicht werden.
Aus diesem Grund muss ich wirklich sagen, dass für mich die Express Edition um Meilen besser ist als die Professional Edition, da diese nicht so überladen ist und sie dem Programmierer mehr Kontrolle über die installierten Komponenten auf seinem System gibt.
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