Da sich unsere Politik etwas schwer mit den Risiken und Chancen moderner Technologie wie Computer und Internet tut und der Mensch ja mal eher generell alles meidet und fürchtet, was er nicht kennt bzw. was er nicht auf Anhieb versteht, hat wohl eben diese Politik den sogenannten Hackerparagrafen auf den Weg gebracht. Dieser Hackerparagraf stellt, etwas lapidar formuliert, die Entwicklung, die Verwendung oder den Besitz von Software, die zum hacken verwendet werden kann, unter Strafe.
Prinzipiell ist ein Vorgehen gegen Kriminalität in Form von „Gesetze machen, wo es noch keine gibt“ ein löbliches Ziel, denn so wie sich unsere Umwelt entwickelt, so muss sich auch unsere Gesetzgebung anpassen. Allerdings gewinnt man bei oben erwähntem Hackerparagrafen doch eher den Eindruck, dass es sich hierbei mehr um Aktionismus handelt, als um ein gut durchdachtes, professionell erstelltes Stück Recht.
Wie wäre es anders zu verstehen, dass das Gesetz ohne jegliche Diskussion sowohl Bundestag als auch Bundesrat passiert hat? Auch die schwammige Formulierung des Textes weißt meiner Meinung darauf hin, dass die werten Gesetzgeber anscheinend gar nicht so genau wissen, worüber sie da reden. Haben die etwa keine sachkundigen Berater? Handeln die etwa nach dem Prinzip, alles was böse Computerkriminelle anfassen ist auch böse und kriminell?
Das größte Problem bei der ganzen Geschichte ist wohl, dass viele der jetzt gebrandmarkten Programme sowohl für gute, als auch für böse Zwecke eingesetzt werden können. Will jemand die Sicherheit eines Netzwerkes oder eines Computers testen, dann muss er wohl oder übel versuchen, bekannte Schwachstellen der Systeme zu finden oder mit entsprechenden Programmen dies automatisch erledigen lassen. Natürlich brauchen auch die Softwareentwickler selbst solche Tools, denn wer will schon mit nicht ausreichend auf Sicherheit getesteter Software arbeiten.
Und dann gibt es da noch die Sorte von Programmen, die eigentlich nie die Intension hatten, für böse Zwecke missbraucht zu werden. Schließlich lassen sich mit dem in Microsoft® Office enthaltenen VBA beispielsweise Makroviren programmieren, die zwar heute keine große Verbreitung mehr haben, die aber jeder als schadhafte Software bezeichnen würde. Aber mit Microsoft® Office erstellen die meisten Leute doch wohl eher ihre Textdokumente, Präsentationen und Tabellenkalkulationen.
Wenn man noch einen Schritt weiter gehen würde, so müsste man wohl auch den Besitz diverser Programmiersprachen strafbar machen. Irgendwann stand jeder Virus oder Wurm mal in Form von Programmcode vor einem sich in einem dunklen Hinterzimmer befindlichen Hacker.
Die Jungs von TecChannel drehen den Spieß jetzt sogar um und haben Strafanzeige gegen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gestellt. Auf deren Homepage wird das Programm John the Ripper zur Verfügung gestellt, übrigens auch mit dem Hintergrund, die eigene Sicherheit zu erhöhen und nicht, um anderen Personen Schaden zuzufügen.