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Mag es Zufall sein oder nicht, aber in letzter Zeit stolper ich recht häufig über Artikel die sich mit der Problematik beschäftigen, dass man im Internet mehr (persönliche) Spuren hinterlässt, als einem lieb ist. Nun ist das wohl nicht katastrophal schlimm, denn wen interessieren solche Sachen außer Leute, die mich wohl ohnehin recht gut kennen.
In diesem Zusammenhang werden in oben erwähnten Artikeln immer häufiger potentielle zukünftige Arbeitgeber erwähnt, die noch vor dem ersten Vorstellungsgespräch spezielle Abteilungen oder sogar Unternehmen damit beauftragen, das Internet nach möglichst aussagekräftigen Spuren über den potentiellen zukünftigen Mitarbeiter zu sammeln. Schließlich stehen in der Bewerbung ja nur die „offiziellen“ Sachen drin.
Auch werden in diesem Zusammenhang immer wieder die „Social Network Sites“ erwähnt, allen voran das studiVZ, der Nr.1 Communityseite für deutsche Studenten im Netz. Die hatten in der jüngeren Vergangenheit massive Sicherheitsprobleme die es Datensuchern praktisch kinderleicht machten, auch ohne entsprechende Rechte an persönliche Daten eines Kandidaten zu kommen. Aber selbst ohne solche Sicherheitslücken stellt es keinerlei Problem da, von Seiten wie studiVZ allerlei Informationen zu ziehen. Hierbei verweise ich gerne auf folgenden Artikel.
Das Ganze führt sogar schon soweit, dass es Unternehmen gibt die sich damit beschäftigen, Spuren ihrer Kunden im Internet zu eliminieren, wie kürzlich auf heise online zu lesen war.

Da macht man sich sich selbst auch so seine Gedanken: Ich selbst bin auch beim StudiVZ angemeldet und besuche die Seite recht häufig. Darüber hinaus führe ich diesen Blog, der oft alles andere als sachlich ist und sehr oft meine persönliche Meinung wiederspiegelt. Von diversen Mitgliedschaften in den unterschiedlichsten Foren gar nicht zu reden. Und wer weiß, was sich von mir so alles im Internet finden lässt, was ich selbst jetzt auf die Schnelle mit den unterschiedlichsten Suchmaschinen nicht herausfinden würde.

Anhand der Gruppen, bei denen ich im studiVZ angemeldet bin, findet man recht schnell heraus, welchen Musikgeschmack ich habe und nimmt man den zu ernst, könnte man mich durchaus für einen suizidgefährdeten schwarzen Gothic halten. Die Leute, die in meiner Freundesliste stehen, lassen sich bestimmt hervorragend dazu verwenden herauszufinden, wie mein soziales Umfeld aussieht, welche Hobbies mein soziales Umfeld hat und wie’s mit mir dann wohl aussehen wird.

Liest man meinen Blog, könnte man aufgrund meines Türkei-EU-Beitrittsartikel mutmaßen, ich sei ein nationalistischer, anderen Kulturen gegenüber intolleranter Unverbesserlicher. Meine Artikel über PC-Spiele und Filme lassen mutmaßen, ich liebe Blut (Dexter), fahre liebend gerne zu schnell Auto (The Fast and the Furious – Tokyo Drift und Need for Speed – Carbon) und bin ein unverbesserlicher Verallgemeinerer, der möglichst radikal seine Argumente präsentieren muss.

Die paar wenigen Internetauftritte, die ich für andere geschaffen habe, entsprechen zugegeben nicht gerade der höchsten Programmierkunst nach neuesten objektorientierten Standards und durchdachten Sicherheitskonzepten. Was, wenn jemand nun meint zu erkennen, ich sei schlampig, würde alles „quick & dirty“ erledigen?

Dass dem alles nicht so ist und man nicht alles für bare Münze nehmen sollte was hier steht oder was andere über mich schreiben, werd ich dann in der Praxis vielleicht garnicht korrigieren können, denn zu einem persönlichen Gespräch von Angesicht zu Angesicht kommt’s dann vielleicht gar nicht mehr.

Natürlich ist das in irgendeiner Art und Weise ein moralischer Konflikt, denn einerseits sollte jeder in seiner Freizeit das tun und lassen, was er will, solange er damit keinem schadet. Auch sowas wie freie Meinungsäußerung ist ja was ganz Nettes. Und schließlich schlägt jeder mal ein wenig über die Strenge. Andererseits kann ich auch gut verstehen, dass wenn das Internet ein so großes Sammelsurium an persönlichen Informationen bietet (die meistens auch in keinster Weise geschützt sind), dass diese auch in irgendeiner positiven oder negativen Art und Weise genutzt werden.
Wer hat nun Schuld bei dem Ganzen? Etwa diejenigen, die das Internet im Auftrag anderer nach allen möglichen verwertbaren Informationen durchsuchen? Wohl kaum, die machen nur ihren Job. Oder die Arbeitgeber, die sich informieren, was ihre zukünftigen Arbeitnehmer so treiben? Auch eher nicht, wer kann’s denen verübeln, wenn sie sich ein hohes Maß an Sicherheit gewährleisten wollen. Oder etwa die Leute, von denen man die Informationen im Internet findet? Tja, dann dürfte man aber irgendwie nie was sagen und müsste sich absolut passiv im Netz verhalten, was wohl auch nicht Sinn und Zweck der Sache ist, vor allem nicht in Zeiten, wo alle Welt vom Web 2.0 redet.
Es wird doch wohl nicht etwa so sein, dass sich in diesem Fall keinen Schuldiger finden lässt, auf dem man mit dem Finger zeigen kann???

Auf jeden Fall hat mich oben beschriebene Problematik recht nachdenklich gemacht und ich werd‘ mir in Zukunft wohl konkrete Gedanken machen müssen, wie ich mich im Internet verhalte, ganz abgesehen von den Standardregeln der Höflichkeit.

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