
Nachdem ich mir bis Ende Januar alle Babylon 5 Folgen reingezogen habe musste eine neue Serie her, um meine lernfreien Abende auszufüllen (wenn ich nicht gerade am Computerspielen bin). Schon seit geraumer Zeit wollte ich mir „Six feet under“ vornehmen. Von dieser Serie heißt es immer, dass wenn jemanden Nip/Tuck (in seinen frühen Staffeln) gefällt, dass einen dann auch Six feet under unterhalten wird. Und da mit Michael C. Hall ein von mir sehr geschätzter Schauspieler mit an Bord war, war die Gelegenheit günstig dieses popkulturelle Defizit auszubügeln, nicht zuletzt deswegen, weil diese Serie bereits abgeschlossen ist.
Eines gleich vorneweg: Diese Serie verdient den Daumen nach oben. Ganz klar. Die Serie schildert das Leben der Fishers, einer Bestatterfamilie aus Los Angeles, deren Familienoberhaupt gleich in der ersten Folge umkommt, worauf seine Söhne, der eine mehr, der andere weniger gern, in seine Fußstapfen treten. Somit dreht sich die Serie um das Alltagsleben der Fishers, was aufgrund der grundverschiedenen Charaktere für fünf packevolle Staffeln reicht, um gelebte und geträumte Lebensziele, Menschen die sich entwickeln und nicht zuletzt auch ein wenig um den Tod.
Da wäre der bereits erwähnte Michael C. Hall, der vor seiner Laufbahn als Serienkiller Dexter in Six feet under den schwulen David Fisher spielt (und das vielleicht sogar besser als Dexter) und sein Bruder Nathan, der sein Leben von einem Tag in den anderen lebt, ohne jemals wirklich Verantwortung zu übernehmen. Das dritte Kind der Fishers ist Claire, ein spätpubertärer Klischeeteenie, die sich ständig von ihrer Umwelt nicht beachtet, nicht respektiert und nicht gefördert sieht. Mutter der drei Kinder ist Ruth, ein Paradebeispiel an weißer Amerikanerin, die nach dem Tod ihres Mannes das Leben entdeckt und dabei von einem Fehler in den nächsten stolpert. Aber auch außerhalb der Fisher Family gibt’s Charaktere satt: Nathan’s immer-mal-wieder-Freundin Branda und ihr Bruder Billy, die beide aufgrund ihrer Psychologeneltern auf die eine oder andere Weise einen psychischen Knacks haben. Der Kunstdozent Olivier, der sich die Welt immer gerade so zurecht biegt, wie er sie gerade braucht. Oder aber der hochtalentierte Einbalsamierer Federico, der bei den Fishers im Familienunternehmen arbeitet und aufgrund seines Geschäftssinns das Bestattungsinstitut ab und zu ganz schön durcheinander wirbelt.
Die ersten drei Staffeln sind wirklich deluxe. Hätte ich im Moment nicht so viel für die Uni zu tun, dann hätte ich mir die ersten drei Jahre von Six feet under wahrscheinlich in zwei Tagen reingezogen. Tolle, abwechslungsreiche Persönlichkeiten gespielt von tollen Schauspielern in tollen Geschichten mit viel Menschlichkeit, das macht die Serie sehr kurzweilig. Danach hatte ich das Gefühl, dass die Serie ein wenig abflacht ohne wirklich sagen zu können, warum. Aber vielleicht lag das auch meinen im Moment durchaus vorhandenen Stimmungsschwankungen zusammen. Fakt ist, dass spätestens zur Mitte der fünften Staffel das hohe Anfangsniveau wieder erreicht war, gekrönt von einem der besten Serienabspanne überhaupt.
Wer also wie ich Ende Januar vor der Qual der Wahl steht, welche Serie es denn für den Fernseher sein soll, dem kann ich Six feet under nur empfehlen. Eine charakterreiche Serie mit toller, abwechslungsreicher und unterhaltender Handlung, ganz abseits von Action, Fiktion oder dergleichen.

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