Als vor ziemlich genau einem Jahr „Need for Speed: Most wanted“ rauskam, gab’s für mich wochenlang kein anderes Spiel: Gute Grafik, coole Rennen, abwechslungsreiche Rennmodi und natürlich die adrenalinpumpenden Verfolgungsjagten mit den Ordnungshütern.
Deshalb stieg in den letzten Wochen die Vorfreude auf den Nachfolger „Need for Speed: Carbon“ immer mehr, auch wenn mich jetzt die Vorberichte nicht vom Hocker hauten: Nurnoch Nachtrennen, vom Canyonmodus war ich noch nicht so überzeugt und das mit den Teammitgliedern? „Schau ma mal“, denkt sich da der (Nieder-) Bayer.
Die Demo hatte mich dann aber erstmal eines besseren belehrt: Dass die Rennen nur Nachts stattfinden kriegt man in der Hitze des Gefechts garnicht so mit. Das Canyonrennen war der Hammer: Wenn man grad mal mit 1000 Punkten Vorsprung über die Ziellinie rast, tangiert der Puls die 180er-Marke. Auch mit den Driftrennen konnte ich nach ’n bisschen Eingewöhnung einiges anfangen. Übung macht den Meister und nach ’ner Zeit, kriegt man echt saugeile Slides hin.
Nun hab ich seit ein paar Tagen die Vollversion, und muss sagen, dass wieder ein wenig Ernüchterung eingetreten ist: Beste Neuerung finde ich den Karrieremodus: Während man in „Most wanted“ immer wieder nach dem selben Schema die Blacklistfahrer abarbeitete (einitzige Abwechslung war dann eigentlich das finale Rennen samt anschließender Verfolgungsjagd) hat man in „Carbon“ nun wirklich das Gefühl, im Kampf mit den anderen Crews zu liegen. Und denen Stück für Stück Stadtteile abzujagen ist wirklich viel besser, als ich anfangs erwartet habe. Allerdings ist der Schwierigkeitsgrad, zumindest in den ersten 3 Stadtteilen, viel zu einfach. Die hatte ich nämlich schon nach einem Tag erobert.
Dafür gefällt mir ganz allgemein der Stil, den der zenhte Teil der „Need for Speed“-Serie präsentiert: Weg vom Hip-Hop-Gangster-Style hin zu mehr Neuem. Hab das ja auch schon in meinem Post zum aktuellen „The Fast and the Furious“-Film positiv bemerkt, den Carbon an vielen Stellen kopiert. Allerdings hatte ich bei „Most wanted“ das Gefühl, dass der Soundtrack umfangreicher war. Muss halt die eigene Musiksammlung herhalten.
Was wohl zu den Stärken des neuen Teils gehört ist die Story: Für ’nen NFS-Teil ist die recht umfangreich, auch wenn die Wendungen ziemlich häufig gesäht sind, was dazu führet, dass man gern mal den Überblick verliert, wer Freund und Feind ist.
Die Nachtrennen wirken sich dann doch negativ aus: Anfangs kennt man halt die Stadt noch nicht, später führt die Nacht aber dazu, dass vieles gleich aussieht. Irgendwie hab ich das Gefühl, dass die Stadt monoton ist was vielleicht auch daran liegt, dass es nunmehr kaum Autobahnen aber auch kaum enge Gassen gibt. Das macht die Stadt irgendwie kleiner als Rockport City.
Viele neue Autos gibt’s: Die Einstiegsklasse aus dem Vorgänger wie Punto und Standartgolf wurde zu Gusten vieler neuer und vor allem auch exotischer Luxusschlitten geopfert. Allerdings werden die meisten und vor allem auch Interessanten erst sehr spät, dafür in zu großer Anzahl freigeschaltet. Das führt dazu, dass man die erste Hälfte des Spiels eigentlich nur mit einer einzigen Karre unterwegs ist, sich zum Ende des Spiels aber garnichtmehr entscheiden kann vor lauter Qual der Wahl.
Die Spezialität von „Most wanted“ waren ja die Verfolgungsjagten. Die wurden in „Carbon“ leider ziemlich kastriert. Eigentlich wird man nun nornoch bei den Rennen erwischt und versucht halt dann, die lästigen rot-blau-schwarzen Verfolger so schnell wie möglich los zu werden. Versuche, sich -zig-Minuten lange Scharmützel zu liefern, gibt’s nun nichtmehr. Das macht die Verfolgungsjaden zu ’ner eher nervigen als spielbreichernden Sache, noch dazu, dass die Polizeistopper nun ’nen viel kleineren Radius haben.
Auch mit dem Konzept der Teammembers kann ich noch nicht so viel anfangen: Die Abkürzungen kennt man mit der Zeit von selbst, außerdem fahren viele Gegner die ja auch, weshalb der Scout dann eigentlich nutzlos wird.
Der Blocker muss erstmal vor jemanden fahren, den er blocken kann. Darauf hätte ich auch verzichten können.
Und ich muss ehrlich gesagt zugeben, dass ich im späteren Spielverlauf etwas mit dem Wingman überfordert bin: Einerseits muss man sich auf die Strecke konzentrieren und jede Kurve optimal nehmen, dann muss man versuchen, im Schatten des Wingman zu fahren und dann kommt noch oft hinzu, sich auf die Blitzer zu konzentrieren, die nun nichtmehr im Voraus gemeldet werden.
Alles in Allem muss ich sagen, dass mich „Carbon“ zwar wieder genauso vor den PC fesselt wie „Most wanted“, dabei muss ich aber auch sagen, dass nicht alle Neuerungen wirklich nötig gewesen wären. Dafür fesseln die Gebirgsrennen wirklich, auch wenn man zu oft den Gegner schon im Voraus überholt und es ist halt ganz einfach ein gewohnt guter, wenn auch viel kürzerer „Need for Speed“-Teil.