Der Computerindustrie haftet ja nicht zu Unrecht der Ruf an, dass sie sich ständig selbst überholt: Bestelle ich heute meinen neuen Computer bei Dell, so ist er morgen bei seiner Auslieferung bereits wieder veraltet. So verhält es nicht nur mit Computern, sondern beispielsweise auch mit Digitalkameras. Fünf, sieben, elf oder noch mehr Megapixel sind halt gute und billige Werbe- und Verkaufsargumente, mit denen der Kunde die einzelnen Digitalkameras vergleichen können soll.
Menschen, die sich etwas mehr mit dieser Materie auseinander setzen wissen jedoch, dass das Megapixel-Argument bei weitem nicht das einzige Verkaufsargument für eine Digitalkamera sein kann. Da kommen dann noch Sachen wie geeignete Akkus, analoger Sucher, Bildstabilisator, ein guter optischer Zoom und vor allem eine gute Optik in Form eines hochwertigen Objektivs dazu.
Dass mehr Megapixel sogar schlechtere Qualität bedeuten kann, will nun die Seite 6Mpixel.org zeigen. Gestoßen bin ich auf diese Seite über heise online, die eine Problematik aufgreift, die mir schon seit längerem bekannt war:
Will man ein Digitalfoto erstellen, drückt man auf den Auslöser seiner Digitalkamera (so weit so gut). Licht fällt während der Belichtung durch das Linsensystem der Kamera auf einen CCD– oder neuerdings immer mehr CMOS-Chip, auf dem das Licht in elektrische Signale umgewandelt wird, die die Information des aufgenommen Bildes enthalten.
Diese CCD- bzw. CMOS-Chips bestehen prinzipiell aus Silizium und werden in einem komplexen Verfahren aus Siliziumscheiben, den sogenannten Wafern hergestellt. Diese Siliziumscheiben sind recht teuer. Deswegen versuchen die Hersteller solcher Kamerachips, möglichst viele Chips aus einem Wafer heraus zu bekommen.
Das heißt also, wenn ein neuer Kamerachip mit mehr Pixeln als der alte hergestellt werden soll, dann versucht man, gleich viele neue Chips aus einem Siliziumwafer heraus zu bekommen, wie das bei alten Chip der Fall war. Somit tummeln sich mehr „Pixel“ (im Fachjargon bezeichnet man die auf dem Chip als Aperturen) auf gleicher Fläche, was die Aperturflächen des neuen Chips kleiner macht als die des alten.
Somit bekommt so eine Apertur des neuen Chips bei einer Aufnahme auch weniger Lichtenergie ab, als das bei der alten Apertur der Fall war. Klar: Auf weniger Fläche trifft in der gleich Zeit weniger Licht. Also muss das Signal im Vergleich zum alten Chip verstärkt werden. Dabei wird jedoch nicht nur das umgewandelte Lichtsignal verstärkt, sondern leider auch das Rauschen.
Man kann also sagen, dass in der Regel moderne Digitalkameras mit mehr Megapixeln mehr rauschen, als das bei alten der Fall war und somit die Fotos eine geringere Qualität aufweisen.
Auf der oben erwähnten Seite 6Mpixel.org finden sich jedoch noch ein paar andere Argumente gegen den Pixelwahn wie zum Beispiel die Tatsache, dass die in den Consumerkameras verbauten Objektive viel zu starke Verzeichnungen erzeugen, als dass sich die hohen Auflösungen rechtfertigen lassen würden.
Noch eine Notiz am Rande: Digitalkameras, die in der Industrie beispielsweise zur Qualitätsprüfung oder ganz einfach zur Objekterkennung oder Bildverarbeitung eingesetzt werden, haben in der Regel gerade einmal eine Auflösung von 1280×1024 Pixeln.
Nachtrag 1:
Am 12.11.2007 hat das ZDF in der Sendung WISO einen Beitrag über das Thema gebracht, den ich hier gerne online stellen möchte.
Nachtrag 2 (am 15.01.2008):
Selbst die „Bild“-Zeitung hat sich dem Thema angenommen.
Schreibe einen Kommentar